| Sicherung der Artenvielfalt Rettung der Bachmuschel auf gutem WegeDerzeit debattieren 5000 Delegierte aus 190 Nationen auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn über die Biodiversität und Bundeskanzlerin Merkel hat 500 Millionen Euro eingebracht, in der Hoffnung, dem weltweiten Artensterben Einhalt gebieten zu können.
Mit großem personellen Aufwand und mit "kleinem Geld" betreibt die IG-LAHN im Lahngebiet seit Jahren fast lautlos in Zusammenarbeit mit der Oberen Natur- und Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Gießen und ausgewählten Biologen für die Artenvielfalt bedeutende Wiederansiedlungsprojekte mit den vom Aussterben bedrohten Bachmuscheln (Unio crassus), Edelkrebsen (Astacus astacus), Lachsen (Salmo salar), Meerforellen (Salmo trutta trutta) aber auch mit Nasen (Chondostroma nasus), Bitterlingen (Rhodeus sericeus amarus, Fisch des Jahres 2008), Elritzen (Phoxinus phoxinus), Schneidern (Alburnoides bipunctatus) und kämpft seit 25 Jahren für saubere, intakte und artenreiche Gewässer.
Gerade während der Artenschutzkonferenz in Bonn wurde das sehr aufwendige Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt mit der in Hessen vom Aussterben bedrohten Bachmuschel zum vierten Mal fortgeführt. So fingen am Pfingstmontag die Lachswarte der IG-LAHN mit dem Elektrofischfanggerät in der Dill größere Mengen Elritzen, die über zwei Wochen in der Hälteranlage in Aumenau mit Glochidien (an Fischen schmarotzende Larven der Muscheln) infiziert worden sind. Die Glochidien abgebenden Muscheln stammten aus einem kleinen Reliktvorkommen im Vogelsberg, wo permanent die Gefahr besteht, dass sie dort unwiederbringlich, wie zum Beispiel gerade die Flussperlmuscheln, verloren gehen.
In dem klaren Wasser des Hälterbeckens in der Lachszucht der IG-LAHN krallten sich die von den Muscheln ausgestoßenen Muschellarven in den Kiemen der Elritzen fest. Während 3 bis 4 Wochen entwickeln sie sich in den Kiemen zu kleinen Muscheln und lassen sich dann wieder auf den Gewässergrund fallen, wo sie weiter wachsen.
In der letzten Maiwoche wurden die mit den Glochidien infizierten Elritzen in die Weil, die Dill und den Mühlbach (bei Nassau) ausgesetzt, die dann die Muscheln in dem Bach verbreiten.
Vier erwachsene Bachmuscheln, die zu Testzwecken seit einem Jahr in der Weil leben und unter Beobachtung stehen, haben sich prächtig entwickelt und sind sogar laichreif geworden und haben selbst Glochidien abgegeben. Hierdurch wurde nachgewiesen, dass die Weil ein ausgezeichnetes Gewässer für die Wiederansiedlung dieser seltenen Muschelart ist. In den nächsten Jahren wird man wohl dann die herangewachsenen Muscheln mit dem bloßen Auge erkennen können und den Erfolg der Maßnahmen dokumentieren. Laut "Roter Liste" hat Hessen für diese Muschelart eine "besondere Verantwortung", da sie auf Bundesebene stark zurückgegangen ist. In der Weil, in der Nähe des Utenhofes, entwickelt sich nun der vierte durch Besatz eingebrachte Jahrgang dieser sehr seltenen Bachmuscheln.
Erstmalig in diesem Jahr wurden auch infizierte Elritzen aus der Lachs-Hälteranlage Aumenau in die Dill bei Edingen und Katzenfurt sowie in den Mühlbach bei Nassau eingesetzt, um neue Bestände zu gründen. Bei dem Besatz anwesend waren Frau Margarethe Höfner vom RP-Gießen und der das Projekt betreuende Biologe Arno Schwarzer. Die IG-LAHN hofft, dass sich auch in diesen Gewässern die Muscheln dauerhaft ansiedeln und vermehren. Somit wäre das Überleben der Muscheln dauerhaft gesichert, auch wenn einer dieser Alt- oder Neubestände vielleicht infolge einer leider nie auszuschließenden Gewässerverschmutzung (zum Beispiel durch einen Unfall) verloren ging.
Zur Zeit prüft die IG-LAHN ein ähnliches Projekt mit der ebenso seltenen Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) anzupacken. Hier müssen allerdings schon Muscheln aus einem naheliegenden Gewässer aus Rheinland-Pfalz ausgeliehen werden, da die letzte hessische Flussperlmuschel in diesem Jahr verstorben ist. Ebenso müssen zuvor geeignete Bachläufe ausgewählt werden, da bestimmte Anforderungen an den Gewässerchemismus erforderlich sind.
Ein anderer Naturschutzverband hat im Vogelsberg zwar 36 Jahre lang das letzte stetig abnehmende Vorkommen der Flussperlmuschel beobachtet aber leider nichts unternommen, diese wertvolle heimische Muschelart zu retten.
"Die IG-LAHN, die neben der Fischzucht auch für die Vermehrung von Muschelarten die geeignete Ausrüstung in Aumenau hat, wird nicht warten bis weitere Arten verloren gehen sondern sich dieser Projekte annehmen und weiterhin und verstärkt sehr wesentliche Beiträge für die Biodiversität in Hessen leisten. Hierzu haben wir die Unterstützung der Hessischen Landesregierung, des Regierungspräsidiums in Gießen sowie der die jeweiligen Projekte wissenschaftlich begleitenden Biologen und Mitgliedsvereine im gesamten Lahngebiet", so der Vorsitzende der IG-LAHN Winfried Klein aus Runkel.
Winfried Klein
Vorsitzender der IG-LAHN e.V.
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