Dienstag 23.09.97: Der erste Lachsheimkehrer in die Lahn seit 300 Jahren.
 

Die Lachswarte der IG-LAHN e.V.

Mit weitgehender Fertigstellung der Kläranlagen im Lahnsystem und der folgenden Verbesserung der Wasserqualität fast aller Gewässer der Güteklasse II waren zumindest aus Sicht dieser Parameter die Möglichkeiten auch an der Lahn wieder gegeben, den Lachs, der ehemals in der Lahn in großen Mengen zum Laichen aufstieg, auch hier wieder neu anzusiedeln.

Forciert wurden diese Überlegungen mit dem Programm "Lachs 2000" durch EU-Anrainerstaaten, den Lachs im Rheinsystem, zu dem die Lahn gehört, wieder heimisch zu machen.

Im Vorfeld der Überlegungen wurden durch die IG-LAHN im rheinland-pfälzischen und hessischen Teil der Lahn "Ichthyologische Untersuchungen" angeregt, die dann in ein über 4000 Seiten starkes Gutachten zu allen wichtigen Parametern einmündeten.

Die Untersuchungen wurden vom Institut für angewandte Ökologie in Kirtorf-Wahlen vorgenommen.

Bestandteil dieser Untersuchungen waren auch die eventuellen Möglichkeiten, den Lachs und die Meerforelle im Lahnsystem wieder anzusiedeln.

Hierzu wurden die entsprechenden Seitengewässer unter diesen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen, wobei ein wesentliches Augenmerk auf die Gewässerstruktur und die Substratverhältnisse gelegt wurden. Die Substratverhältnisse wurden mit noch vorhandenen Laichplätzen im französischen Allier verglichen.

Bei diesem Vergleich stellte sich heraus, daß der rheinland-pfälzische Mühlbach, die Weil und die Dill diesen Substratverhältnissen weitgehend entsprachen. Auch historische Aufzeichnungen belegten, daß diese Gewässer in früheren Zeiten den Lachsen schon als Laichgewässer gedient hatten.

Bei der Auswahl eines geeigneten Lachsstammes entschied man sich für einen Stamm aus dem französischen Nive im Adour System, wo die Aufsteiger ähnlich lange Wanderwege zu ihren Laichplätzen zurücklegen müssen.

Drei Jahre lang wurden von einem rheinland-pfälzischen und zwei hessischen Züchtern Lachse mit mehr oder weniger Erfolg erbrütet und zu Setzlingen aufgezogen, die jeweils im Herbst in die Gewässer ausgesetzt wurden.

Zur Dokumentation der Aufzuchtserfolge wurden jährlich elektrische Probebefischungen durchgeführt.

Es bestätigte sich, daß die Lachse in den Gewässern sehr gut abgewachsen waren.

1995, im vierten Jahr der Lachsaufzucht, beschloß man, versuchsweise mit Brutboxen der Firma Firtzlaff die Eier direkt im Freiland zu erbrüten.

Da die Boxen in der Erbrütungsphase fast täglich fachkundig gewartet und gereinigt werden müssen, kam man auf die Idee, interessierte Angler aus den Mitgliedsvereinen der IG-LAHN zu "Lachswarten" auszubilden, die dann ehrenamtlich die tägliche Wartung übernehmen sollten.

Über die Vereine wurden 28 interessierte Personen ausgewählt und im Auftrag der IG-LAHN und des Landes Hessen in 6 ganztägigen Lehrgängen mit der Arbeit vertraut gemacht.

Die Ausbildung wurde dem Institut für angewandte Ökologie übertragen, die die angehenden Lachswarte in allen wichtigen Fragen ausbildeten.

Schwerpunkte der Ausbildung waren unter anderem die Kartierung und Bewertung der Gewässerstruktur, die Bestimmung der Gewässergüte und Auswertung von Meßdaten, Fließgewässerzonierung und Gewässerökologie, Renaturierung, Fischwege, Biologie der Wanderfische, Überblick- über Hälterung und Aufzucht, Markierung und Besatz sowie rechtliche ´Themenstellungen.

Nach Abschluß der Ausbildung und einer weiteren Teilnahme an einer Ausbildung zum Fischereiaufseher wurde den 26 Männern und 1 Frau eine Ernennungsurkunde nebst Fischereiaufseherausweis in einer Feierstunde vom´ Regierungspräsidenten Hartmut Bäumer in Gießen überreicht.

Seit Herbst 1996 sind nun die Lachswarte im Auftrag der IG-LAHN bei der jährlichen Lachserbrütung in Brutboxen im Einsatz.

Selbständig erstellen an den jeweiligen Gewässern die von ihnen selbst benannten Obmänner die Einsatzpläne für die Wartung der Brutboxen, kontrollieren unter Normalwasserständen im 2 Tagesrhythmus, bei Hochwasser täglich, die Boxen, lesen verpilzte Eier aus und sorgen für hygienische Verhältnisse während der Erbrütungsphase.

Bei Hochwasser kommt es vor, daß die Boxen umgesetzt werden müssen. Teilweise machte auch starke Vereisung und Grundeis in den kalten Wintertagen Probleme, zum Schutz vor Kälte schaffte die IG-LAHN Neopren-Handschuhe und Stiefeleinsätze an.

Die Lachswarte der IG-LAHN pflegen die Lachslarven bis zur vollständigen Aufzehrung des Dottersackes und entlassen sie dann als schwimm- und freßfähige Brütlinge in das Substrat des Brutgewässers.

Gut 3 Monate sind von Einbringen der bis zum Augenpunktstadium vorgebrüteten Eier bis zur Entlassung in das Besatzgewässer vergangen.

Im weiteren Verlauf des Jahres steht das Aufzuchtsgewässer unter permanenter Kontrolle und Aufsicht. Hierbei kommen die Lachswarte ihrer Funktion als Fischereiaufseher nach.

In dem nunmehr 2-jährigen Einsatz der Lachswarte hat sich ihre Tätigkeit voll bewährt. Aufgrund ihrer gemachten Erfahrungen werden die Bedingungen der Erbrütung jährlich optimiert, was sich am immer größeren Erfolg ablesen läßt. Wahrend im ersten Jahr der Erfolg bei 60% lag, so konnte im 2. Jahr in mittlerweile 20 Boxen der Erfolg auf ca.70%-80% verbessert werden.

Für die Wiederansiedlungsmaßnahmen des Lachses im Lahngebiet konnten und können durch die Lachswarte die jährlichen Kosten drastisch gesenkt werden, was einer Erhöhung der Aussatzahlen von Junglachsen zugute kommt.

Schon jetzt kann festgestellt werden, daß die Idee der Ausbildung von eigenständig und eigenverantwortlich arbeitenden Lachswarten außerordentlich erfolgreich war.

Jährliche Zusammenkünfte zum Erfahrungsaustausch sowie die Erstellung und Betreuung der Internethomepage festigen und sichern die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse.

Die bisherigen positiven Erfahrungen haben die IG-LAHN bewogen, im Jahre 1998 nochmals 20 bis 25 weitere Lachswarte auszubilden.

Winfried Klein
Vorsitzender