Zielsetzung und Tätigkeitsspektrum der IG-LAHN e.V.: (Stand 06.01.2018)

 

Die IG-LAHN wurde 1985 von Winfried Klein, Runkel, als zunächst lockerer und länderübergreifender Zusammenschluss (Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen) der an der Lahn beheimateten Fischereivereine und anderer am Natur- und Gewässerschutz interessierter Gruppen und Einzelpersonen gegründet und hat heute etwa 8000 Mitglieder in 44 Vereinen. 1992 wurde aus dem lockeren Zusammenschluss von 1985 schließlich ein im Vereinsregister (Nr. 556) des Amtsgerichtes Weilburg eingetragener Verein.

 

Die Zielsetzung des Vereins ist vielfältig und bezieht sich im wesentlichen auf den Schutz der Gewässer und der Natur im Lahneinzugsgebiet.

Der Hauptgrund für die Gründung der IG-LAHN waren die eklatant desolaten ökologischen Verhältnisse an der Lahn und deren Nebengewässer, im Besonderen:

–           die äußerst schlechte Wasserqualität der Fließgewässer und fehlende Kläranlagen,

–           die seit etwa Mitte der 60er Jahre völlig verschwundene und zur Stabilisierung wichtiger Wasserparameter notwendige Wasserflora,

–           die naturfernen Unterhaltungsmaßnahmen der Lahn durch das Wasser- und Schifffahrtsamt und der Gewässer der 2. und 3. Ordnung,

–           die gravierende Belastung der Fische mit allerlei gefährlichen und krebserregenden Schadstoffen (wie z.B. PCB’s, HCB, Schwermetallen, Pestiziden etc.,

–           die naturschädigende Befahrung der Lahn mit viel zu großen und zu vielen Motorbooten auf der Lahn

–           die fehlende Vernetzung der Gewässerlebensräume durch für alle Wasserorganismen unüberwindbare Querverbauungen in den Gewässern des Lahngebietes (lineare Durchgängigkeit, Fischaufstiegsanlagen)

–           die schädliche Wirkung der Energieerzeugung durch Wasserkraft auf die Wasserorganismen, wie z.B. Schädigung von Fischen (insbesondere Aalen) durch Turbinen, Fischabstiegsproblematik

–           die fehlenden wissenschaftlichen Grundlagen und Sanierungskonzepte, um ökologische Verbesserungen im Lahneinzugsgebiet umsetzen zu können,

–           das fehlende Problembewusstsein zu den schwerwiegenden ökologischen Defiziten in unseren Gewässern und deren Umfeld,

–           das fehlende Interesse der Öffentlichkeit und der politisch Verantwortlichen, die Probleme einer Lösung zuführen zu wollen,

–           die fehlende Öffentlichkeitsarbeit zur Schaffung des Problembewusstseins in der Öffentlichkeit

 

Die Idee der Vereinsgründung fiel bei den Fischereivereinen, die auch heute noch die Basis der IG-LAHN darstellen, auf fruchtbaren Boden, da bisher jeder einzelne Verein als „Einzelkämpfer“ wenig erreicht hatte. Gemeinsam wollte man sich nun mit den Problemen befassen.

 

Was hat die IG-LAHN bis heute erreicht?

 

Durch Aufzeigen unerlaubter Einleitungen (vor allem mit PCB´s, die in Fischuntersuchungen festgestellt wurden) und Zusammenarbeit mit dem hessischen Wasserschutzpolizeiamt und dem Umweltministerium, konnte der Bau von Kläranlagen im Lahngebiet erheblich forciert werden. Ca. 99% der Einwohner sind heute an leistungsfähige mechanisch-biologischen Kläranlagen angeschlossen. Die Wasserqualität hat sich aufgrund dessen in allen Fließgewässern erheblich verbessert. Die Artenvielfalt in den Gewässern steigerte sich erheblich, fehlende Arten konnten zum größten Teil wieder angesiedelt werden.

 

Die Wiederansiedlungsprogramme (z.B. Lachs, Meerforelle, Nase, Edelkrebs, Bachmuschel, Elritze, Schneider, Rutte und weitere) laufen derzeit immer noch in Zusammenarbeit mit den Oberen Fischereibehörden und den Landesregierungen in Hessen (Dill, Weil, Lahn) und Rheinland-Pfalz (Lahn, Mühlbach) und Trägerschaft der IG-LAHN. 2001 und 2002 wurde zu Probezwecken auch Lachsbesatz aus eigener Zucht im Oberlauf der Lahn bei Bad Laasphe in Absprache mit der Bezirkregierung Arnsberg (NRW) vorgenommen.

 

Damit diese Wiederansiedlungsprogramme, die in das IKSR-Programm „Lachs 2000“ (heute:„Lachs 2020“) (Internationale Kommission zum Schutze des Rheins und der Nebengewässer) eingebunden sind, begonnen werden konnten, mußten entsprechende Vorarbeiten geleistet werden.

 

Der Lachs hat die Funktion einer Art Galionsfigur, bei dessen Wiederansiedlung zwangsläufig viele problembehaftete Parameter eines Fließgewässers (Wasserqualität, Gewässerstruktur, Durchgängigkeit etc.) in Ordnung gebracht werden müssen, da ohne intaktes Gewässer eine Wiederansiedlung ins Leere ginge.

 

Gerade bei diesen Wiederansiedlungsprogrammen könnte der Eindruck entstehen, dass dies lediglich eigennützige Projekte der IG-LAHN bzw. der Mitgliedsvereine sein könnten, da sich hier ein direkter Nutzen für die Fischerei ableiten könnte. Dem ist nicht so, denn die genannten Fischarten Lachs und Meerforelle, unterliegen entsprechend den Fischereigesetzen der Länder einem absoluten Fangverbot. Es wird lediglich das früher vorhandene Artenspektrum – nicht nur bei Fischen – wieder komplettiert und drückt andererseits aus, dass diese wertvollen und empfindlichen Fischarten und andere im Wasser lebende Tierarten hier wieder leben können, was auf die deutlich verbesserte Wasserqualität der Lahn und ihrer Nebengewässer zurückzuführen wäre. Es zeigt auch, dass sich die enormen Investitionen der Anliegergemeinden in die Klärtechnik gelohnt haben.

 

Für diese Wiederansiedlungsprogramme muss die IG-LAHN jährlich erhebliche Summen aufbringen und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit leisten.

In den nächsten Jahren wird der finanzielle Anteil der IG-LAHN weiter steigen.

Allerdings werden die finanziellen Aufwendungen von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz aus der Fischereiabgabe unterstützt.

 

Damit die Wiederansiedlungsprogramme erfolgreich durchgeführt werden können, wurden 1996, 1999 und zuletzt im Herbst/Winter 2001/2002 insgesamt 65 „Lachswarte“ ausgebildet. Diese Personen werden zu speziellen Gewässerfragen ausgebildet und in die Einbürgerungsmaßnahmen mit eingebunden. Ihre Kenntnisse stehen dann in ihren Mitgliedsvereinen und für die praktische Arbeit im Arten- und Gewässerschutz zur Verfügung. Ein Teil von ihnen hat die Elektrobefischungserlaubnis sowie den Bootsführerschein erworben, um die Besatzgewässer zu kontrollieren und die Rückkehrer in Lahnstein zu fangen. Dies ist ein in Deutschland bisher einmaliges Projekt und findet bereits viele Nachahmer.

Mittlerweile bildet die IG-LAHN selbst Lachswarte für Nachahmerprojekte aus.

 

Im Jahre 2000 wurde in Aumenau mit Unterstützung der hessischen und rheinland-pfälzischen Landesregierung eine Lachs-Hälteranlage für die in die Lahn zurückkehrenden Lachse aufgebaut.

Das Projekt ist erfolgreich: Insgesamt sind bisher 86 Lachse (inkl. 2009) aus dem Atlantik in die Lahn zurückgekehrt. Sie wurden mit dem Elektro-Fanggerät vor der Staustufe gefangen. Tatsächlich kehren jedoch wesentlich mehr zur Lahnmündung zurück. Im Herbst 2009 waren es nach Schätzungen von Beobachtern mehr als 200 Stück!

Die laichreifen Lachse werden in der Hälteranlage bis zur endgültigen Laichreife gehalten, um dann die Eier künstlich zu gewinnen, zu befruchten und zu erbrüten.

 

Im Herbst 2001 wurde in Aumenau die Anlage um ein Bruthaus erweitert, um dort auch die Eier ausbrüten zu können. Hier wurden bisher mehrere 100.000 Lachseier erbrütet. Die Junglachslarven werden etwa im März in die Aufzuchtsbecken umgesetzt und zu Setzlingen heran gezogen. Diese werden dann im Herbst in die Dill, die Weil, die Lahn und den Mühlbach oder als einjährige Smolts direkt unterhalb Lahnsteiner Wehr ausgesetzt.

Bei letzterer Besatzmethode entgehen sie den für sie lebensgefährlichen und ohne Fischschutz ausgestatteten Wasserkraftanlagen, in denen pro Anlage etwa 30 Prozent der im Frühjahr aus der Lahn abwandernden Lachs-Smolts auf dem Weg nach Grönland getötet werden.

 

Durch die Verbesserung der Wasserqualität und Initialanpflanzungen von Wasserpflanzen durch die Mitgliedsvereine der IG-LAHN, konnte die Qualität und Quantität der Wasserpflanzen in der Lahn enorm gesteigert werden. Die wichtigen Wasserparameter Sauerstoff, pH-Wert und Temperatur konnten teilweise stabilisiert und die Lebensverhältnisse für alle Wasserorganismen verbessert werden. Der pH-Wert stellt im Frühjahr ein erhebliches Problem bei Algenbildung dar („Die Lahn blüht“)dar. Er steigt regelmäßig auf > pH 10 an! Jungfische kommen hierbei zu schaden. Das Problem liegt in der zu hohen Nährstoff-Fracht und dadurch bedingter Algenbildung in den Stauhaltungen der Lahn.

 

Durch intensives Vorgehen gegen die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die für die Unterhaltung der Lahn zuständig ist, konnte erreicht werden, dass heute die Unterhaltung ökologisch verträglicher durchgeführt und fast alle Maßnahmen mit den Unteren Naturschutzbehörden und der IG-LAHN abgesprochen werden. Hier haben wir mit Bürgerinitiativen, Landkreisen, Naturschutzverbänden und Naturschutzbeiräten intensiv zusammengearbeitet.

Auf Initiative der IG-LAHN wurde der Bundesrechnungshof eingeschaltet, die derzeitige Unterhaltung durch den Bund zu untersuchen. Nach Auffassung der IG-LAHN sind die Aufwendungen für die jährliche Unterhaltung einer nicht mehr für die Schifffahrt genutzten Wasserstraße Lahn mit derzeit 7,5 Millionen EURO aus Steuermitteln zu hoch und viele Maßnahmen überflüssig.

 

Auf unsere Initiative und Mitarbeit werden von der Hess. Landesregierung regelmäßig Schadstoffuntersuchungen an Lahnfischen durchgeführt, um einerseits gesundheitlichen Gefahren durch Verzehr bestimmter Fische vorzubeugen, die Entwicklung der Belastung zu kontrollieren und andererseits die Herkunft der Schadstoffe zu ermitteln. Hier wird mit den Behörden, Veterinärämtern und Wasserschutzpolizei zusammengearbeitet.

So ist die Belastung der Fische mit Schadstoffen kontinuierlich gesunken und sogar die gefährlichen PCB´s in Aalen haben stark sinkende Tendenz.

 

Die naturschädigende Befahrung durch Motorboote auf der Lahn (Uferzerstörung, Beeinträchtigung der Wasserpflanzen und Wassertiere) konnte zumindest im hessischen Lahnbereich stark reduziert werden. Im Bereich Rheinland-Pfalz sind die Probleme noch weitgehend ungelöst. Am Problem des stark ausufernden „sanften Tourismus“ auf der Lahn arbeiten wir intensiv.

Große Erfolge wurden bei der Wiederherstellung der linearen Durchgängigkeit (Fischaufstiegshilfen) erzielt. Während noch 1981 von den Landesregierungen diese wichtigen Maßnahmen zur Vernetzung der Gewässerlebensräume als zu teuer abgelehnt worden waren, ist man heute entschlossen, die Durchwanderbarkeit der Lahn für alle Wasserlebewesen zu realisieren. Hessen, wie auch Rheinland-Pfalz haben bereits mit der Realisierung begonnen. Es bestand die Zusage, dass bis 1998 die Lahn für die Wanderfische bis zu ihren Laichgebieten wieder durchgängig ist. Diese wichtige Maßnahme des Artenschutzes ist alleiniges Verdienst der IG-LAHN!

Leider konnte die Zusage von der ehemaligen rheinland-pfälzischen Umweltministerin Klaudia Martini, wegen der Weigerung des Bundes (Eigentümer der Bundeswasserstraße) sich finanziell zu beteiligen, bis heute nicht umgesetzt werden. Seit vielen Jahren haben Kontakt zum Bundesministerien für Umwelt und Verkehr und hatten seit 1999 den Petitionsausschuss des Bundestages eingeschaltet, der uns zugesagt hat, bis zu einer Lösung der Probleme an der Umsetzung der linearen Durchgängigkeit zu arbeiten. Problem war bis 2005, dass der Bund laut Urteilen des BDG auf dem Standpunkt stand nicht für die Ökologie eines Gewässers zuständig zu sein sondern lediglich für die Schifffahrt und den geregelten Wasserabfluss.

Am 12.08.2005 hat der Petitionsausschuss über eine parlamentarische Prüfung erreicht, dass der Bund, als Eigentümer der Lahn, auch für die ökologische Unterhaltung – damit auch für die Durchgängigkeit – zuständig ist. Bis zu diesem Beschluss war unsere Petition fünf Mal eingestellt worden und jedes Mal durch die IG-LAHN per Widerspruch und neuen Begründungen neu ins Laufen gebracht worden.

Letztlich hat unsere Begründung, dass der Bund nach Art. 14 GG als Eigentümer der Bundeswasserstraße Lahn auch nach Art. 14 Abs. 2 wie jeder Bürger der Sozialpflichtigkeit unterliegt und seine Eigentum auch für soziale Zwecke zu erhalten und zu unterhalten hat! Dem konnten sich die Verkehrs-Bürokraten in Berlin nicht entziehen, gaben der IG-LAHN Recht und seit 01. März 2010 steht nun im novellierten Wasserhaushaltsgesetz (§§ 27 bis 35 – insbesondere in § 34) dass der Bund nun allein für die Herstellung der Durchgängigkeit zuständig ist!

Dies ist ein großer Erfolg für alle Bundeswasserstraßen in Deutschland und die Herstellung der Fischwanderung (aufwärts- und abwärts) in diesen Gewässern.

Eine weitere Petition wegen der beim Betrieb von Wasserkraftanlagen kompletten Missachtung des Tierschutzes wurde im Jahre 2017 abgeschlossen. Auch sie war mehrmals eingestellt worden, weil man das Thema totschweigen wollte. Nach mehreren Widersprüchen und parlamentarischer Prüfung wegen unseres Verlangens zur Gesetzesänderung, damit auch der Tierschutz in Wasserkraftanlagen gilt, wurde uns im Juli 2017 vom PA des Bundes (BT Berlin) abschließend mitgeteilt, dass eine Gesetzesänderung nicht notwendig wäre, da die vorhandenen Gesetz ausreichen. Wörtlich heißt es dort im Schreiben vom 31.05.2017: „Ich möchte insbesondere auf den letzten Absatz der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses hinweisen, der ausführt, dass es keine gesetzgeberischen Handlungsbedarf sondern ein Vollzugsdefizit der bereits bestehenden gesetzlichen Vorgaben gibt“! Diese banale Feststellung des Petitionsausschusses heißt, dass zwar die Tierschutzgesetze vorhanden sind aber nicht angewendet werden!

Da regen sich die Tierschutzorganisationen in Deutschland auf, dass in Deutschland 2016 2,8 Millionen Tierversuche mit 2460 Affen ansonsten jedoch nur mit Mäusen, Ratten, Kaninchen, Vögeln und Fischen durchgeführt wurden. Tierversuche sind im BTierSchG geregelt und dienen fast ausschließlich zur Prüfung von Medikamenten und Stoffen, mit denen der Mensch in irgendeiner Form in Berührung kommen kann.

 

Allerdings regt sich niemand von den Tierschutzorganisationen oder Perteien auf, dass in 8000 EEG subventionierten, angeblich „Ökostrom“ erzeugenden Wasserkraftanlagen in Deutschland jährlich viele Hundert Millionen (oder viel mehr) Fische aller Arten (allein 80% der 0+ Fischgeneration), fast alle abwandernden Blankaale (Ausrottung steht unmittelbar bevor!) und massenhaft andere Fische, Junge von Wasservögeln und andere Warmblüter erbärmlich gequält und schließlich getötet werden.

 

Genau so schlimm ist, dass bei der Genehmigung von Wasserkraftanlagen von Tierschutz keine Rede ist! In den Planfeststellungsbeschlüssen oder Plangenehmigungen kommt das Wort Tierschutz nie vor! Deswegen sind alle diese Genehmigungen ohne Berücksichtigung und Anwendung der eigentlich strengen Tierschutzgesetze äußerst fragwürdig und wohl illegal, weil lt. Petition nicht die Tierschutzgesetze herangezogen und angewendet werden, sondern der § 35 Wasserhaushaltsgesetz! „Dieser § 35 WHG regelt ausdrücklich nur die Nutzung von Wasserkraftanlagen und legt keine Anlagenstandards fest“, so das UBA.

 

In Bad Ems, Nievern und Nassau (2011) (alle RP) konnten bereits Fischaufstiegshilfen gebaut werden, bei die IG-LAHN die treibende Kraft war. Am Elbbach konnten aus Mitteln der Ausgleichsabgabe für den Bau der ICE-Strecke 5 Fischtreppen gebaut. Daneben wurde die Weil und die Dill als Lachsbesatzgewässer durchgängig gemacht. In Löhnberg wurde ebenfalls eine neue Fischtreppe gebaut. In Lahnbereich NRW wurden mehrere Wehre durch unseren Mitgliedsverein FV Wittgenstein abgetragen.

 

Um den Stand der Technik zu erfahren, wurden von der IG-LAHN Studienfahrten mit deutschen Fischerei-Wissenschaftlern nach Frankreich, Dänemark und Holland geplant und organisiert, um die neuesten Erkenntnisse in den Bau der Aufstiegshilfen an der Lahn einfließen zu lassen. Wegen der knappen Finanzmittel der IG-LAHN wurden alle diese Fahrten, die wesentliche neue Erkenntnisse erbrachten und viele neue Kontakte zu ausländischen Wissenschaftlern herstellten, auf eigene Rechnung durchgeführt.

Die Besuche in Holland (RIVO) sollten auch bewirken, dass im Deltagebiet die notwendigen Maßnahmen eingeleitet wurden, den Aufstieg der anadromen Wanderfische aus der Nordsee in den Rhein zu verbessern.

In einer Aktion 2010 und 2011 über Abgeordnete in niederländischen Parlament und Staatsekretär Atsma konnte erreicht werden, dass die Aufstiegsmöglichkeiten an den Haringvliet Schleusen im Delta verbessert werden. Ebenso fordern wir dies von der jetzigen Umweltministerin Sharon Dijksma.

 

Die Leitung und Moderation eines 1994 durchgeführten zweitägigen DVWK-Symposiums (Deutscher Verein für Wasser- und Kulturbau) in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz zum Thema Fischaufstiegshilfen mit Wissenschaftlern aus ganz Europa, wurde der 2. Tag dem Vorsitzenden der IG-LAHN übertragen. Auch diese Tatsache beweist, welchen Stellenwert die IG-LAHN in Fachkreisen genießt. Auch in den Folgejahren wurden bei ähnlichen Veranstaltungen die Teilnehmer über die Arbeit der IG-LAHN informiert. Zuletzt hielt der Vorsitzende ein Referat beim Symposium der ARGE Main, am 20 April 2007 im Conference-Center des Rhein-Main-Airports und ebenso bei einem Symposium im Umweltministerium in Mainz (2008) jeweils ein Referat über Möglichkeiten der Vermeidung von fischereilichen Schäden in Wasserkraftanlagen.

 

An dem Problem der Schädigungen der Fischfauna, insbesondere der abwandernden Blankaale, durch Turbinen in Wasserkraftwerken arbeiten wir intensiv. In Zusammenarbeit mit Unternehmen als auch der ARGE Main konnten neuartige Rechen entwickelt werden bzw. sind noch in Entwicklung, die hoffentlich auch der Wasserkraft zur Naturfreundlichkeit verhelfen. Allerdings nach Fukushima besteht die Gefahr, dass aus politischen Gründen unsere Fließgewässer durch Wasserkraftanlagen weiter zerstört werden. Deshalb wird derzeit mit Hochdruck daran gearbeitet, dass genau dieses nicht geschieht. Gerade in diesem Jahr hatten wir viele Termine mit Ministern und Abgeordneten und brachten unseren Einfluss auch bundesweit ein z.B. bei der Bundeskanzlerin und beim Umweltministerium in Berlin ein. Darüber hinaus haben wir in Vorträgen auf Landes- und Bundesebene zur Meinungsbildung beigetragen.

 

Intensive Vorarbeit wurde geleistet durch wiss. Untersuchungen im Lahngebiet. Auf Initiative der IG-LAHN wurden im Auftrag der Landesregierungen Hessen und Rheinland-Pfalz für die gesamtem 248 km der Lahn „Ökomorphologische Untersuchungen“ durch Wissenschaftler durchgeführt deren Ergebnisse in fast 6000 Seiten Gutachten bei uns vorliegen. Der letzte Teil der Untersuchungen von Gießen bis zur NRW-Landesgrenze sind 1996 abgeschlossen worden. Aufgabe der IG-LAHN ist es, die vorgefunden vielen Probleme und Defizite aufzugreifen und im Zusammenspiel mit den zuständigen Behörden einer in den Gutachten erarbeiteten Lösung zuzuführen. Die intensive Mitarbeit der IG-LAHN und ihrer Mitgliedsvereine an Lahn, Dill und Weil bei den seit 1989 laufenden Untersuchungen, hat das umfangreiche und qualitativ hochwertige Ergebnis der Wissenschaftler erst ermöglicht.

 

Des weiteren wurden auf Initiative der IG-LAHN ein Wehrkataster für alle Querverbauungen mit detaillierter Bestandsaufnahme/Kartierung im gesamten Lahnsystem von Wissenschaftlern erarbeitet. Seit 1995 liegt dieses Kataster für Lahn und Nebengewässer mit detaillierten Sanierungsvorschlägen vor, sodass sukzessive an die Sanierung gegangen werden kann. Es wurde ermittelt, dass es im Lahneinzugsgebiet 450 solcher Querverbauungen gibt. So konnten an Dill, Elbbach und Lahn eine ganze Reihe von neuen Fischtreppen bereits realisiert werden. An der Weil werden 1996 zwei neue Fischtreppen gebaut, um den dort von der IG-LAHN ausgesetzten Lachsen den Aufstieg zu ihren Laichplätzen zu ermöglichen. In Rheinland-Pfalz wurde an der Lahnmündung (Lahnstein) zu Versuchszwecken eine Fischaufstiegs-Galerie eingebaut, um die günstigste Lage einer zu bauenden Fischaufstiegshilfe zu finden.

Zur Zeit arbeiten wir mit Nachdruck daran, dass die restlichen Fischaufstiegshilfen der Lahn gebaut werden.

 

Aus eigenen Mitteln (13.000 DM) hat die IG-LAHN für die Weil eine Pilotstudie erstellen lassen. Diese wiss. Arbeit ist auf viel Beifall gestoßen und wird derzeit beim Wasserwirtschaftsamt, RP und Landesregierung begutachtet. Sie soll zur Renaturierung der Weil dienen. Beinhaltet ist ein Unterhaltungskonzept für die Anliegergemeinden, um über die Unterhaltung nach ökologischen Kriterien selbst, zu einer mittelfristigen und kostengünstigen Renaturierung zu kommen. Sie ist deswegen eine Pilotstudie, weil sie in dieser Form bisher einmalig ist und vor allem – im Gegensatz zu dem Millionen teuren „Landesprogramm naturnahe Gewässer“ mit geringem finanziellem Aufwand zu realisieren ist. Nutznießer sind hier u.a. die unterhaltungspflichtigen Gemeinden und Landkreise, die alle ein Exemplar der 300 Seiten umfassen Studie erhalten haben.

Ein weiteres Problem der Weil ist das Trockenfallen von 25 km Gewässerlauf zwischen Schmitten und Rod an der Weil. Wir versuchen mit dem Abwasserverband und den Gemeinden sowie mit dem RP Darmstadt und dem Umweltamt Wiesbaden das Problem zu lösen. Mittlerweile wurden mehre Querriegel aus Ton und Beton gebaut, um den Wasserverlust in die Abwasserleitung zu verhindern. Teilweise sind Erfolge sichtbar.

 

Die IG-LAHN arbeitet seit Bestehen in allen möglichen Gremien mit, die sich in irgendeiner Form mit der Lahn befassten bzw. aktuell befassen: So z.B. in der länderübergreifenden Arbeitsgruppe zur Wiederherstellung des Fischaufstieges (Federführung Bezirksregierung Koblenz – heute SGD-Nord), in den Beiräten der BMFT-Projekte (Erarbeitung eines ökologisch begründeten Sanierungskonzeptes für die Lahn im Auftrag des Bundesforschungsministeriums) Hessen und Rheinland-Pfalz, der Nutzungsentpflechtung der Lahnaue (Amt für Umwelt und Gewerbeaufsicht Oppenheim), Mittelhessenrunde zur Umsetzung des Lahnprojektes Hessen beim RP-Gießen, im Beirat der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft mbH (GFG) in Hessen und Rheinland-Pfalz, im Beirat „Wasserrahmenrichtlinie“, Biodiversitätsstrategie“ (Hessen) den Naturschutz- und Fischereiverbänden und nicht zuletzt mit unseren Mitgliedsvereinen.

 

Daneben betreiben wir umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in Fach- und Tageszeitungen, um zu informieren, die Akzeptanz der Öffentlichkeit herzustellen und über Probleme zu informieren.

2005 nahm die IG-LAHN mit einem Informationsstand am Hessentag in Weilburg und 2006 am Rheinland-Pfalz-Tag in Bad Ems teil. Heute nehmen wir zusammen mit dem Verband Hessischer Fischer e.V. an allen Hessentagen, Messen, und allen möglichen regionalen Veranstaltungen teil, machen Fliletier- und Räucherkurse und auch geführte Wanderungen…..

 

Im September 2010 feierte die IG-LAHN ihr 25-jähriges Jubiläum.
Hierbei wurde die Arbeit der IG-LAHN von vielen Amtsträgern aus Ländern, Kreisen und Kommunen gewürdigt.

 

Im Dezember 2010 wurde die IG-LAHN vom Kreis Limburg-Weilburg mit dem Umweltpreis 2010 ausgezeichnet.

 

Wie man leicht erkennen kann, ist unsere Arbeit, aufgezeigt an den wenigen Beispielen, ausschließlich gemeinnützig, wobei natürlich nicht verschwiegen werden soll, dass alle Verbesserungen ökologischer Art im Lahngebiet auch den Fischen, sonstigen Wassertieren und letztlich auch den Menschen zugute kommen. Bedenkt man aber, dass laut „Rote Liste Hessen“ nur 9% der ehemals 41 heimischen Fischarten nicht in ihrem Bestande bedroht sind, oder anders gesagt 91% der hessischen Fischarten bzw. 37 von 41 Fischarten im Bestand bedroht sind, so ist unsere Arbeit eine äußerst wichtige, die wassergebundenen Arten zu schützen und vor dem Aussterben zu bewahren.

Dass dies nicht allein eigennützige Ziele der Fischerei und der IG-LAHN sein können, versteht sich sicher von selbst. Vielmehr liegt der umfassende Schutz der Wasserorganismen im Öffentlichen Interesse, zumal die Gewässerlebensräume die vielfältigsten und zugleich empfindlichsten sind, da die im Wasser lebenden Tiere auf Gedeih und Verderb mit dem Wasserkörper verbunden sind und nicht flüchten können, wenn eine Gefahr von außen droht! Da im Wasser neben den Fischen noch Tausende anderer Tierarten leben gilt natürlich auch denen unsere Arbeit bzw. die umfassenden Schutzmaßnahmen. Hinzu kommt noch das Umfeld der Gewässer (Ufer, Aue), die ebenso zu den wertvollsten und vielfältigsten Lebensbereichen der Natur zählen.

 

Um den Lebensraum Lahn besser zu schützen, hat die IG-LAHN für die gesamte Lahn einen Alarmplan erarbeitet, der allen Fischereivereinen (auch Nichtmitgliedern), Behörden etc. zugeleitet worden ist, um im Bedarfsfalle schnell und richtig reagieren oder Schäden minimieren zu können.

 

Hierzu fordern wir die strikte und fristgerechte Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie die ebenfalls von der EU den Mitgliedsstaaten aufgegebene Umsetzung der Biodiversitätsstrategien, welchen wir für die Zukunft der Lahn prioritäre Bedeutung beimessen!

 

Darüber hinaus setzen wir uns sehr kritisch mit dem LIFE-Projekt „LiLa“ Lahn auseinander, weil wir vermuten, dass unter dem Deckmantel des Umwelt- und Naturschutzes alle bisherigen – und vor allem die absolut schädlichen – Nutzungen auch für die Zukunft festgeschrieben werden sollen!

Wir fordern strikt die Entwidmung oder mindestens die Abstufung der Lahn in eine Nebenwasserstraße unter Aufgabe aller für den Wasserkörper und die Ökologie schädlichen Nutzungen. Hierzu sind in erster Linie die Stauhaltungen mit ihrer zeitweisen desolaten Wasserqualität und die Nutzung mit Motorbooten aller Art zu zählen. Diese beiden Probleme können auf einem naturnahen oder gar natürlichen Gewässer nicht geduldet werden, da diese Schäden so nachhaltig sind und nicht ausgeglichen werden können.

 

Es ist also nicht vermessen zu behaupten, dass die IG-LAHN mit ihren Programmen und Zielsetzungen den umfassendsten Natur- und Artenschutz im Vergleich zu anderen im Naturschutz tätigen Organisationen betreibt, weil dieses umfassende Tätigkeitsfeld es mit sich bringt. Damit wir diese Tätigkeitsfelder kompetent bearbeiten können, arbeiten wir mit vielen Instituten, Universitäten, Behörden und Wissenschaftlern eng zusammen, die uns jederzeit mit Beratung und aktiver Mitarbeit zur Seite stehen.

 

Vieles wurde bereits erreicht, doch die Beseitigung gravierendsten Mängel werden im Wesentlichen politisch verhindert! Wir bleiben gemeinsam an der „Sache Lahn“ dran!.