Jahreshauptversammlung der IG Lahn – Ein ereignisreiches Jahr mit vielen
Herausforderungen für unsere Gewässer
Am Samstag, dem 31. Oktober 2026, fand die Jahreshauptversammlung der IG Lahn
statt. Pünktlich um 15 Uhr begrüßte der Vorsitzende Frank Spengler die
anwesenden Vertreter der Mitgliedsvereine sowie die weiteren Gäste. Zahlreiche
Vereine waren der Einladung gefolgt. Auch Vertreter des Vorstandes und der
Kassenprüfung waren anwesend. Trotz einiger krankheitsbedingter Ausfälle konnte
die Versammlung ordnungsgemäß durchgeführt werden.
Ein Grußwort sprach Reinhard Kohl vom Verband Hessischer Fischer (VHF). Er
bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit der IG Lahn und ging insbesondere
auf das gemeinsam unterstützte Projekt „Lila Lahn“ ein, an dem sowohl der
Verband Hessischer Fischer als auch die IG Lahn maßgeblich mitgewirkt haben.
Dabei wurde nochmals deutlich, dass der Verband Hessischer Fischer hinter der IG
Lahn und ihren Zielen steht. Gemeinsam wolle man daran arbeiten, die Lahn und
ihre Zuflüsse ökologisch zu verbessern und die vielfältigen Anforderungen an das
Gewässer in Einklang zu bringen.
Bericht des Vorsitzenden Frank Spengler – Gewässerprobleme und Umweltschäden
Besonders die lange Trocken- und Hitzephase stellte viele kleinere Bäche und
Zuflüsse der Lahn vor erhebliche Probleme.
Betroffen waren vor allem der Elbbach. Im Emsbach, im Mühlbach, im
Dörrsbach und im Wörsbach kam es zu erheblichen Gewässerverunreinigungen.
Im Elbbach und im Emsbach wurden Probleme im Zusammenhang mit den Kläranlagen
beziehungsweise deren Überläufen festgestellt.
Am Mühlbach kam es zu einer Ölverschmutzung, die von der Feuerwehr hervorragend
bewältigt werden konnte.
Im Dörrsbach wurde eine Einleitung von Molke und Gülle gemeldet.
Auch am Wörsbach gab es Hinweise auf Probleme im Bereich der Kläranlage.
Die IG Lahn war bei diesen Vorfällen jeweils vor Ort, dokumentierte die Schäden
und nahm Wasserproben.
Glücklicherweise konnten in den betroffenen Gewässerabschnitten noch tote Fische
geborgen werden,
die sich in Ästen verfangen hatten. Auch diese Situationen wurden
dokumentiert, um die Folgen der
Verunreinigungen besser beurteilen zu können.
Besonders schwierig gestaltet sich häufig die Zusammenarbeit beziehungsweise die
Klärung der Zuständigkeiten zwischen den verschiedenen Behörden. Als Beispiel
nannte Frank Spengler einen Vorfall im Bereich einer Kläranlage, bei dem
unterschiedliche Gemeinden, Landkreise und Bundesländer betroffen waren. Die
Zuständigkeiten verteilten sich unter anderem auf Idstein, Hünstetten und den
Landkreis Limburg-Weilburg.
Durch diese unterschiedlichen Zuständigkeiten komme es immer wieder zu einem Hin
und Her zwischen den Behörden.
Im schlimmsten Fall fühle sich am Ende niemand wirklich verantwortlich, während
das betroffene Gewässer bereits
erheblich geschädigt sei.
In diesem Zusammenhang wurde auch der Zustand des Wörsbaches angesprochen. Die
Untersuchungen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)
zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Gewässerabschnitten. Während
oberhalb noch eine mäßige Gewässerbewertung festgestellt wurde, wurde der
Zustand unterhalb als mangelhaft eingestuft.
Frank Spengler riet den Vereinen deshalb, den betroffenen Bach vorerst nicht
wieder mit Fischen zu besetzen. Zunächst müsse geklärt werden, ob und wann eine
ausreichende Verbesserung der Wasserqualität erreicht werden könne.
Auch beim Dörrsbach wurden Wasserproben genommen und weitere Schritte
eingeleitet. Die IG Lahn suchte hierzu unter anderem die Polizei in Bad
Schwalbach auf. Auch dort erschwerten unterschiedliche Zuständigkeiten zwischen
Rheinland-Pfalz und Hessen die weitere Bearbeitung.
Ein weiterer angesprochener Vorfall betraf die Dietzhölze. Dort war es in einem
Dillburger Industriebetrieb zu einem Chemieunfall gekommen. Dabei gelangte Säure
in das Gewässer. Für die IG Lahn war dieser Vorfall besonders interessant, weil
die Dietzhölze in unmittelbarer Nähe in die Dill fließt, die ebenfalls zum
Tätigkeitsbereich der IG Lahn gehört. Glücklicherweise hatte das Ereignis nach
den vorliegenden Informationen keine Auswirkungen auf die Dill.
Was tun bei einer Gewässerverunreinigung?
Ein wichtiger Punkt des Vortrags war die Frage, wie sich die Mitgliedsvereine
bei einer Gewässerverunreinigung richtig verhalten sollten.
Frank Spengler bat die Vorsitzenden der Vereine ausdrücklich darum, auch ihre
Mitglieder für dieses Thema zu sensibilisieren und über das richtige Vorgehen im
Ernstfall zu informieren.
Bei einer akuten Gewässerverunreinigung sollten unverzüglich die zuständigen
Stellen verständigt werden. Ist die zuständige Stadt- oder
Verbandsgemeindepolizei nicht erreichbar, beispielsweise außerhalb ihrer
Dienstzeiten, muss die normale Polizei informiert werden.
Besonders wichtig ist jedoch, sofort die Gewässerwarte einzuschalten. Diese
sollten möglichst schnell vor Ort sein, um Wasserproben zu nehmen und
gegebenenfalls verendete oder geschädigte Fische zu sichern.
Die Fische sollten fachgerecht sichergestellt und eingefroren werden, damit sie
später untersucht werden können. Auch bei den Wasserproben ist auf die richtige
Vorgehensweise zu achten. Die Probenbehälter müssen vollständig gefüllt und
entsprechend beschriftet werden, damit die Proben nicht durch zusätzlichen
Sauerstoff oder andere Einflüsse verfälscht werden.
Nur durch eine schnelle und sorgfältige Dokumentation lassen sich
Gewässerschäden später nachvollziehen und mögliche Verursacher ermitteln.
Die weitere Arbeit der IG Lahn – Besatz, Ausbildung und Gewässerschutz
Neben der Begleitung der Vereine bei verschiedenen Gewässerschäden berichtete
Frank Spengler auch über die zahlreichen Aktivitäten der IG Lahn.
So wurde in Lahnstein ein Lachsbesatz durchgeführt.
Außerdem unterstützte die IG Lahn die Mitgliedsvereine bei der Erstellung von
Hegeplänen
und bot Elektrofischerlehrgänge und Bootsführerscheinlehrgänge an, die teilweise
noch besucht werden beziehungsweise weiterlaufen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung von Lachswarte. Am 21. November
sollen die ersten Teilnehmer bereits beim Lachsabstreifen dabei sein..
Hierfür konnte die IG Lahn namhafte fachliche Unterstützung gewinnen. Dr. Jörg
Schneider, Dr. Dirk Hübner und Dipl.-Biologe Christoph Dümpelmann konnten
für die Mitarbeit und Unterstützung des Projektes gewonnen werden. Auch die
obere Fischereibehörde in Gießen unterstützt die Maßnahmen und stellt
Fördermaterial zur Verfügung.
Darüber hinaus sollen auch die Jugendwarte der Vereine weitergebildet werden.
Für den 12. 2. 2027 sind entsprechende Ausbildungsmaßnahmen in Wiesbaden
vorgesehen.
Der Kormoran – weiterhin ein großes Problem für die Fischbestände
Ein weiteres wichtiges Thema im Bericht des Vorsitzenden war der Kormoran und
dessen Einfluss auf die Fischbestände.
Frank Spengler verwies auf die erheblichen Schäden, die durch den Kormoran in
den Gewässern entstehen können. Dabei bezog er sich auch auf Zahlen und
Einschätzungen von Frau Dr. Winkelmann, die die wirtschaftlichen Schäden in
Europa in einer dreistelligen Milliardenhöhe und für Deutschland mit rund 61
Milliarden beziffert haben soll.
Das Thema Kormoranmanagement beschäftigt inzwischen zahlreiche Mitgliedstaaten
und Fischereiverbände. Allerdings gibt es innerhalb Deutschlands aufgrund der
föderalen Strukturen sehr unterschiedliche Regelungen.
Während die Genehmigung von Vergrämungsmaßnahmen in Rheinland-Pfalz
vergleichsweise einfacher zu erreichen ist, gestaltet sich die Situation in
Hessen oftmals deutlich schwieriger. Besonders private Gewässer und stehende
Gewässer sind häufig stark vom Kormoran betroffen.
Wie kompliziert die Beantragung sein kann, zeigte das Beispiel eines
Mitgliedsvereins aus Katzenfurt. Trotz der Abgabe umfangreicher Unterlagen
wurden immer wieder weitere Informationen und Nachweise verlangt. Teilweise
wurden sogar Unterlagen gefordert, für die es von den zuständigen Stellen keine
entsprechenden Formulare oder Vorlagen gab.
Auch aus Waldorf berichtete Frank Spengler über entsprechende Erfahrungen. Dort
seien fünf Abschüsse genehmigt worden.
Aus Beuerbach wurde außerdem über eine massive Gewässerverunreinigung berichtet.
Nach den Schilderungen waren zweimal jeweils erhebliche Mengen Asbest in die
Seen gelangt. Der Verband Hessischer Fischer war vor Ort.Vizepräsident
Karl Schwebel nahm Wasserproben. Die Folgen waren verheerend: Barsche, Hechte
und Zander wurden tot aufgefunden.
Wasserkraft und die Zukunft der Lahn
Auch die Wasserkraft wurde von Frank Spengler nochmals angesprochen. Besonders
kritisch bewertete er Überlegungen, an weiteren Querverbauungen beziehungsweise
Querverbindungen der Lahn Wasserkraftanlagen zu errichten.
Dies stehe aus seiner Sicht im Widerspruch zu den europäischen Zielen der
Gewässerrenaturierung und der ökologischen Durchgängigkeit.
Die vorhandenen Stauregelungen der Lahn hatten im zurückliegenden trockenen Jahr
allerdings auch einen positiven Nebeneffekt. Durch die Staustufen entstanden
größere Stillwasserbereiche, wodurch sich die Auswirkungen des Niedrigwassers
und der Hitze auf die Lahn offenbar weniger deutlich bemerkbar machten als z.B.
im Rhein.
Größere Fischsterben in der Lahn selbst waren nach den vorliegenden Berichten
nicht zu verzeichnen.
Auch der Aal wurde angesprochen. Hier gibt es Überlegungen zu neuen Besatz- und
Managementplänen, um den Bestand dieser gefährdeten Fischart langfristig zu
unterstützen.
Kassenbericht und Wahlen
Nach den ausführlichen Berichten folgte der Kassenbericht. Aufgrund der
zahlreichen Aktivitäten und Projekte der IG Lahn wurde ein kleines Minus
verzeichnet. Dieses wurde jedoch angesichts der geleisteten Arbeit und der
durchgeführten Maßnahmen als nicht besonders erwähnenswert bewertet.
Die Kassenprüfung wurde behandelt und der Vorstand wurde entlastet. Neue
Kassenprüfer wurden festgelegt.
Die bisherigen Beitragsregelungen bleiben unverändert.
Unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ lagen keine Anträge der
Mitgliedsvereine vor.
Anschließend standen noch Wahlen an. Sascha Heinz und Sven Pusztai
stellten sich den Anwesenden vor und wurden anschließend einzeln und jeweils
einstimmig zu neuen Jugendwarten gewählt. Beide werden ebenfalls an den
vorgesehenen Ausbildungsmaßnahmen teilnehmen.
Die Jugend stärker für Natur- und Gewässerschutz begeistern
Ein wichtiger Blick in die Zukunft galt der Jugendarbeit. Neben der Überlegung,
künftig auch gemeinschaftliches Angeln durchzuführen, soll vor allem
das Verständnis der Jugendlichen für die Natur und die ökologischen
Zusammenhänge unserer Gewässer gestärkt werden.
Dabei geht es nicht ausschließlich um das Angeln und den Fischfang. Vielmehr
sollen die Jugendlichen für Gewässerverunreinigungen, Pflanzen, Artenschutz,
Fischbestände und die gesamte Lebensgemeinschaft im und am Wasser sensibilisiert
werden.
Auch Themen wie das Makrozoobenthos, also die kleinen wirbellosen Lebewesen am
Gewässergrund, sowie die Gewässerstruktur sollen stärker in die Jugendarbeit
eingebunden werden.
Hierfür gibt es bereits die Bereitschaft verschiedener Fachleute und Biologen,
die IG Lahn und die Vereine bei entsprechenden Projekten zu unterstützen.
Ziel ist es, den Jugendlichen nicht nur die Freude am Angeln zu vermitteln,
sondern ihnen auch die Verantwortung für den Schutz und die Zukunft unserer
Gewässer näher zu bringen.
Änderungen bei den Zuständigkeiten in Rheinland-Pfalz
Zum Ende der Versammlung wurde noch kurz auf Veränderungen bei den behördlichen
Zuständigkeiten in Rheinland-Pfalz eingegangen.
Bei der unteren Wasserbehörde ist künftig Frau Höhn die zuständige
Ansprechpartnerin. Damit wurde auch dieser Punkt für die weitere Zusammenarbeit
mit den Vereinen angesprochen.
Abschluss der Versammlung
Gegen 15:50 Uhr beendete Frank Spengler die Jahreshauptversammlung. Er bedankte
sich bei allen Anwesenden für ihr Kommen, die gute Zusammenarbeit und das
Engagement für die gemeinsamen Ziele der IG Lahn.
Die Versammlung zeigte einmal mehr, wie vielfältig die Aufgaben der IG Lahn
sind. Neben der Unterstützung der Mitgliedsvereine bei praktischen Problemen
stehen vor allem der Schutz der Fischbestände, die Verbesserung der
Wasserqualität, die ökologische Entwicklung der Lahn und ihrer Zuflüsse sowie
die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses im Mittelpunkt.
Die Herausforderungen bleiben groß. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit
der Vereine, der Verbände, der Behörden und der Fachleute, um sich gemeinsam für
unsere Gewässer einzusetzen.
Die Vertreter der Mitgliedsvereine waren schon früh gekommen.
Reinhard Kohl Ausbildungsreferent des Verbandes Hessischer Fischer im Gespräch
mit dem Jugendwart der IG-Lahn
Sascha Heinz.

Hier im Gespräch mit dem Vorsitzenden der IG-Lahn Frank Spengler

Die Reihen füllen sich
Viele Vereine waren da:
FV Altendiez, SAC Dörnberg-Kalkofen, Ulmbach, AFH, ASV Beuerbach, FV
Laurenburg, ASV Aßlar,
Verband Hessischer Fischer, SAK Diez, LFV Rheinland Pfalz, SPFV Walsdorf, ASV
Katzenfurt,
Angelverein Obernhof-Seelbach, SAV Limbuzrg.



Freank Spengler begrüßte alle anwesenden und eröffnete die Sitzung

Grußwort Reinhard Kohl – Ausbildungsreferent des Verbandes Hessischer Fischer



Sascha Heinz – 2. v. r. stellt sich zur Wahl zum Jugendwart vor.

Sven Pusztai ebenso.




Die neu gewählten Jugendwarte – Sven Pusztai und Sascha Heinz


