Hallo, liebe Mitglieder der IG-LAHN e.V., Lachswarte und Freunde der IG-LAHN e.V.

Schon wieder nähern wir uns dem Jahresende und auch Weihnachten steht vor der Tür. Das ist immer eine gute Gelegenheit neben der Übermittlung von herzlichen Grüßen und guten Wünschen für das Neue Jahr, sondern uns – die IG-LAHN – auch in Erinnerung zu rufen und über die wesent-lichsten Dinge im Jahresverlauf zu berichten.

Die IG-LAHN verfolgt im Lahngebiet mit Nachdruck die auf EU-Ebene, auf Bundes- und auf Landesebene Hessen und Rheinland-Pfalz die Umsetzung der von diesen selbst gesetzten Ziele und Vorgaben, um die Ökologie der Gewässer – im Besonderen der Fließgewässer – wieder in ei-nen mindestens „guten Zustand“ zu bringen.
Einerseits hat die Europäische Union (EU) im Jahre 2000 die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) beschlossen in 3 Phasen 1) bis Ende 2015; 2) bis Ende 2012 und 3. bis schließlich Ende 2027 in einen guten Zustand zu versetzen.


Ich und mein kürzlich leider verstorbener guter Freund und Mitstreiter Alwin Kaiser († 7. Oktober) waren deswegen im Jahre 2009 bei der EU-Kommission „Maritime Angelegenheiten und Fischerei“ in Brüssel, um uns bei Generaldirektor Dr. Reinhard Priebe über die Umsetzung dieser für die Fließgewässer so wichtigen und längst überfälligen Vorgaben der Umsetzung beraten zu lassen.

Es war ein sehr langes, umfassendes Gespräch zu den gesamten Inhalten der EU-WRRL die darin und festgelegten Terminen für die Umsetzung in den Gewässern der EU-Mitgliedsstaaten.

Es hörte sich alles, zumal aus berufenem Munde, euphorisch an, was da alles bis jeweils zu festge-legten Terminen umzusetzen sei. So sollten z.B. bis zum 22.12.2015 fast alle Maßnahmen umge-setzt sein, um die „gute Struktur“, „die auf- und abwärts gerichtete Durchgängigkeit“ und die „gute Wasserqualität“ zu erreichen. In der 2. und 3. Stufe bis 2021 bzw. 2027 sollten dann noch die bis dahin aus schwerwiegenden Gründen nicht umsetzbaren Ziele erreicht worden sein.
Wir lachten laut und bezweifelten, dass die Umsetzung der Ziele zu diesen genannten Zeitpunkten nicht möglich sei. Dr. Priebe bekräftigte seine Aussagen damit, dass erhebliche Strafen für die Nichterreichung der umzusetzenden Ziele festgesetzt seien. Er nannte Strafen von mindestens 100.000 Euro pro Tag – es könnten jedoch, je nach Einzelfall auch bis zu 800.000 Euro pro Tag von der EU festgesetzt werden! Ich konnte mir ein lautes Lachen nicht verkneifen, worüber Herr Dr. Priebe sich sichtlich erregte und pochte darauf, dass es so von der Kommission festgelegt worden wäre. Er war so überzeugend und wir waren frohen Mutes und besuchten weitere EU-Stellen in Brüssel, so auch die Hessische und die Bayerische Landesvertretungen.
Wir hatten unglaublich viel und Positives an der dafür zuständigen und höchsten Stelle / Ebene der Europäischen Kommission Maritime Angelegenheiten und Fischerei gelernt und kehrten am späten Abend mit euphorischen Gefühlen wieder nach Hause zurück.
Fortan forderten wir in Hessen und Rheinland-Pfalz das Gehörte und Gelernte ein und auch dort machte man uns Hoffnungen. Soweit so gut!

Die EU-WRRL wurde vom Bundestag in Deutschland im Jahre 2002 im Bundestag ratifiziert – also damit verpflichtend zur terminierten Umsetzung angenommen!

Heute schreiben wir in wenigen Tagen das Jahr 2020 und müssen sehr, sehr ernüchternd feststellen, dass bisher in Deutschland nichts geschehen ist!

Entweder ist die EU eine Organisation ohne jegliches Durchsetzungsvermögen ihrer den Mitglieds-staaten aufgegebenen gesetzlichen Pflichten oder einfach nur eine „Luftnummer“, die uns lediglich viel Geld kostet, was dann aber leider ohne Sinn und Erfolg aus dem Fenster geworfen wäre! Dann wäre der „Brexit“ der Briten wohl auch für andere Mitgliedsstaaten eine nur allzu gerechtfertigte Alternative zur unnützen und teuren Mitgliedschaft.

In Deutschland wurde im Rahmen der WRRL in Gewässern 2. Ordnung und 3. Ordnung an zwi-schen 3 und unter 10% der Maßnahmen umgesetzt. An den größeren Gewässern wie Nebenwas-serstraßen oder Bundeswasserstraßen wurde überhaupt nichts gemacht! Nun scheint etwas Bewe-gung in die Angelegenheit gekommen zu sein und in Hessen werden derzeit 95% Zuschüsse für Umsetzungsmaßnahmen der WRRL vom Land gezahlt, damit etwas geschieht und Frau Umwelt-ministerin Priska Hinz kürzlich ein Projekt „100 Wilde Bäche in Hessen“ angestoßen, um mit den 95% Zuschüssen die Umsetzung der WRRL anzutreiben, um voran zu kommen. Wir, die IG-LAHN e.V. und der Verband Hessischer Fischer e.V.(VHF) haben unsererseits im Oktober alle hessi-schen Gemeinden angeschrieben und sie darauf hingewiesen, dass sie als Unterhaltungspflichtige für die Gewässer 2. und 3. Ordnung 95% finanzielle Mittel für die Umsetzung an Gewässern in ih-rem Gemeindebereich beantragen sollten, wobei auch neben den Kosten für die Umsetzung auch die Planungskosten enthalten sind. Die restlichen verbleibenden 5% können sie sich auf ihrem Ökokonto gutschreiben lassen.

Wir haben den Gemeinden als IG-LAHN und VHF angeboten, sie zu beraten, wo und an welchen Gewässern sinnvolle Maßnahmen vorgeschlagen werden könnten. So kann es sein, dass von den Gemeinden die örtlichen Fischereivereine hierzu gefragt und kontaktiert werden.

Hier steht die IG-LAHN und der VHF den Gemeinden und Vereinen natürlich helfend zur Verfü-gung.
Am 25. Februar 2012 schrieb die Rheinzeitung, das Peter Ramsauer (CSU), Angler, Wasserkraft-betreiber und damals Bundesverkehrsminister sagte, dass er nun dafür sorgen würde, dass Aale und Lachse künftig wieder ungehindert in deutschen Flüssen schwimmen könnten. Rund 1 Milliarde Euro will die Bundesregierung in den nächsten 15 Jahren in sogenannte Fischtreppen investieren. Bundesweit verhindern 360 Wehre und Schleusen dass Fischarten, die früher hier heimisch waren, in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren können.

Dorothe Herpertz, Mitarbeiterin von Ramsauer erklärte, dass bis 2017 250 Staustufen bundesweit wieder für Fische passierbar gemacht werden müssen. In der ersten Phase würden 46 Bauwerke bis 2015 entstehen. Am dringendsten seien Staustufen in der Nähe von Mündungen. Eine moderne Fischtreppe sei bereits 2011 in Koblenz an der Mosel eingeweiht worden und in Rheinland-Pfalz sind an Mosel und Lahn zahlreiche weitere Maßnahmen geplant, in der ersten Phase in Lehmen(Mosel) und Lahnstein. Bis 2017 sollen es insgesamt 11 An-lagen an der Mosel und 16 an der Lahn sein…

Anmerkung: Was ist aus den Versprechungen geworden? Überhaupt NICHTS!

Im Gegenteil, denn an der Lahn sollen durch das derzeit und bis 2026 laufende dubiose Projekt „LiLa Lahn“, welches von Ramsauer als Bundesverkehrsminister (BMV) selbst und von der eben-falls von seinem Ministerium angehörigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie ebenfalls von Minister Ramsauer als Wasserkraftbetreiber und Kanzlerberater in Energiefragen und Chef der Energiekommission im Bundestag vorangetriebene Projekt „Blaues Band Deutsch-land“ vom Bundeskabinett am 1. Februar 2017 als Bundesprogramm eingebracht und soll be-sonders an Nebenwasserstraßen (z.B. Lahn) in die Renaturierung von Fließgewässern und Auen investieren und damit neue Akzente in Richtung Natur- und Gewässerschutz., Hochwasservorsorge sowie Wassertourismus, Freizeitsport und Erholung setzen.“ Darüber hinaus werden auch im Kernnetz der Bundeswasserstraßen Renaturierungsprojekte verwirklicht, wenn sie mit den verkehrlichen Zielen vereinbar sind“.

Der letzte Satz ist entlarvend für die wirklichen Ziele:
Dieses Projekt „Blaues Band Deutschland“ ist nur für einen Zweck von dem genannten Ministerium / Minister erfunden worden, um die strikten Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie durch weite-re, nach EU-WRRL eigentlich nicht mögliche Nutzungen auszuhebeln, um einerseits die für die viel zu kleine Lahn durch Motorboote, Yachten, Hausboote und Ausflugsschiffe einerseits und die Stau-haltungen und Wehre zwecks weiterer Nutzung der tier- und artenschutzfeindlichen, Aale, Lachse und viele andere Fische ausrottenden Wasserkraft andererseits auf Dauer zu erhalten!

Die EU-WRRL ist 2002 als EU-Gesetzesvorgabe vom Bundestag ratifiziert worden und somit in Deutsches Recht verpflichtend übergegangen. Dieses soll nun scheinbar mit dem erst 2017 einge-führten Bundesprogramm ausgehebelt werden!
Darüber hinaus sollen die Arbeitsplätze der WSV an der Lahn weiter erhalten werden, damit in Rheinland-Pfalz weiter ausgebaggert werden kann, damit viel zu große Boote fahren können und pro Jahr mindestens 10 Millionen EURO aus Steuermitteln des Bundes für unsinnige und absolut überflüssige „Unterhaltungsmaßnahmen“ weiter in der Lahn versenkt werden können!
Das können und dürfen wir nicht zulassen und haben uns schon bei der EU-Kommission beschwert und werden weiter mit Unterstützung des Verbandes Hessischer Fischer und des Deutschen An-gelfischer Verbandes (DAFV) gegen diesen Unsinn bei der EU-Kommission vorgehen! (Das „Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ können Sie auf https://www.blaues-band.bund.de/Projektseiten/Blaues_Band/DE/ herunterladen.)

Man kann es nicht glauben, dass an der Unterlahn alle Wehre und Staustufen erhalten werden sol-len! Nur dafür, dass 1. Alle Motorboote weiter fahren können, 2. Damit alle Bediensteten bei der WSA ihren Arbeitsplatz an der Lahn behalten können (hätten sie sowieso erhalten können und 3. Damit alle Wasserkraftanlagen weiter betrieben werden können (die von 3 Windkraftanlagen ersetzt werden könnten!).

Ein eklatanter Verstoß gegen die EU-WRRL, denn kein einziges prioritäres Ziel wird so erreicht!
Das Wehr Hollerich, oberhalb Nassau ist marode und soll/muss neu gebaut werden. Das kostet Millionen Euro, während das nicht mehr notwenige Wehr abgerissen werden könnte, was so gut wie nichts gekostet hätte. Im Gegenteil: Die Durchgängigkeit wäre gegeben, die Struktur wäre auf gro-ßer Länge der Lahn verbessert worden und die „gute Wasserqualität“ hätte sich das das Fließen wieder verbessert.

Nein – die paar Boote müssen weiter kostenlos fahren dürfen und die Wasserkraft darf weiter Fi-sche tierschutzwidrig quälen, die Aale ausrotten und unser Lachsprojekt ad absurdum führen! Das haben Politiker gemacht und die müssen bei den nächsten Wahlen schadlos beseitigt werden!
Wir werden uns das jedenfalls nicht tatenlos gefallen lassen, denn das EU-Recht der WRRL ist auf unserer Seite!

Unsere Projekte im Lahngebiet: Noch laufen unsere Projekte weiter.
1. Lachse in der Lahn
Unsere Lachswarte haben am 26. Oktober erstmalig in diesem Jahr auf Lachs-Rückkehrer elektrisch gefischt. Sie hatten 2 große Lachse fast im Kescher, aber leider konnten sich wieder flüchten und waren weg. Bei 3 weiteren Befischungen, was immer mit einem großen Aufwand ver-bunden ist, konnten leider keine Lachse mehr gesehen, geschweige denn gefangen werden.
Es hilft alles nichts und wir betreiben einen riesigen ehrenamtlichen personellen Aufwand und der Erfolg ist nur noch so gut wie NULL! Das hat viele bekannte Ursachen und diese Ursachen müs-sen beseitigt werden, sonst müssen wir das mit den Lachsen in der Lahn aufgeben.
Unser Lachs-Projekt wird sowieso durch LiLa Lahn sterben, da es nicht erfolgreich werden kann und durch dieses unsinnige und 16 Millionen € teure Projekt wird der Erfolg zunichte gemacht.
Unsere Arbeit – viele zehntausend Stunden – waren wohl umsonst, denn alle Wehre an der Lahn sollen (bis auf das Altenberger Wehr bei Wetzlar, erhalten werden. Fischtreppen funktionieren nir-gendwo und sind teuer. Die Wasserqualität – ein sehr starkes Argument – wird nicht weiter verbes-sert werden können, da Kläranlagen zwar nachgerüstet werden können, doch auch dann lösen sie keinerlei Probleme und die gefährlichen Mikroschadstoffe und Keime beseitigen sie auch nicht! Das geht nur mit Kohlefiltern in einer 5. Stufe – also unbezahlbar, wartungsintensiv und nicht bezahlbar! Ob sie funktionieren ist noch nicht bewiesen!

2. Muschelprojekt in Weil, Dill und Emsbach
Ob es klappt ist ebenso nicht vorher zu sagen, denn wir benötigen Wasser ohne Schadstoffe und vor allem ohne Medikamentenrückstände. Früher als fast ausschließlich organische Substanzen wie Jauche u.ä. darin waren, gab es keinerlei Probleme mit Arten. Als die Chemie kam, gingen die Probleme los. Muscheln gab es in Massen und diese leisteten tolle Arbeit pro Wasserqualität, da jede Muschel bis zu 500 – 600 Liter täglich filtrierte! Derzeit werden die noch vorhandenen Mu-scheln in der Lahn immer weniger und es wird bald keine mehr geben!

3. Edelkrebsprojekt
Wir – die IG-LAHN hat einen großen Bestand von Edelkrebsen in 2 Steinbruchseen im Westerwald. Sie rühren aus alten Beständen von Lahnkrebsen von Seitengewässern im Oberlauf der Lahn. Un-sere Biologen haben sie gefunden und wir haben sie vermehren lassen. Sie könnten heute in alle Gewässer eingesetzt werden, doch darin sind – wie jeder weiß – diese Amerikaner (Kamber- und Signalkrebse und neuerdings Kalikokrebse). In der Uni Koblenz / Landau wurden unsere Krebse genetisch untersucht: Es sind reine Lahnkrebse und damit unglaublich wertvoll!

4. Aalprojekt
Nach IUCN (Internationale Tierschutzorganisation) ist der Aal – der sich seit Jahrmillionen, trotz seiner komplizierten Lebensweise hier halten konnte – vom akuten Aussterben bedroht! Unsere verantwortlichen Regierungen, Politiker und zuständigen Behörden, lassen den drastischen Rück-gang dieser wertvollen Art zu, obwohl wir es ihnen seit Jahren predigen, dass er Aussterben wird! Heute werden aus reiner Geldgier überall Wasserkraftanlagen betrieben, deren Schutzausrüstun-gen für Fische nirgendwo funktionieren bzw. an der Lahn noch nirgendwo verwirklicht worden sind! Ein ganz bestimmter Betreiber an der Lahn hat errechnet, dass seine Anlagen lediglich 0,9 Promille Schäden an Fischen verursachen würden! Auf solche Märchenerzähler sollten wir gerne verzichten und ihnen noch heute die Betriebserlaubnis aus den Fingern schlagen!
Sie kennen alle die Fotos von den vielen gemarterten Fischen, Wasservögeln und sonstigem Ge-tier, was in den angeblich Ökostrom erzeugenden Wasserkraftanlagen jämmerlich „verrecken“ muss! Eine Schande für unsere politischen Größen und Lobbyisten in den Parlamenten!
Wir sind jedoch kurz davor ihnen die Grenzen zu zeigen oder gar den Garaus zu machen!
Wir setzen in jedem Jahr vorgestreckte Jungaale im Lahngebiet für etwa 15.000 Euro aus, damit sie während ihres ca. 20-jährigen Aufenthaltes hier als Gelbaale schon in Massen bei ihren Wande-rungen getötet und dann die wenigen noch übrig gebliebenen Blankaale letztlich bei Ihrer am Le-bensende stattfindenden Laichwanderung in die Sargassosee alle in den ungeschützten Wasser-kraftanlagen getötet werden. Es kommen fast keine Glasaale an die Küsten zurück und das Ende der überaus wertvollen Fische wird nah sein! Warum protestieren die Schulkinder nicht einmal frei-tags für das Überleben der Aale? Nein, sie würden in ihrem absoluten, auf Desinteresse beruhen-den Unwissen, lieber für den Weiterbetrieb von Wasserkraftanlagen protestieren, weil sie mit blutro-tem Ökostrom die Welt retten möchten. Weil Lehrer davon nichts wissen, wissen sie natürlich auch nichts und lassen sich daher vor solche „laut knarrenden“ Karren spannen!!

5. Elritzen-Einbürgerung
Im Zusammenhang mit der Wiederansiedlung der Bachmuschel haben wir für die Infektion mit Bachmuschel-Glochidien Elritzen verwendet. Elritzen sind die einzigen Fische, die man mehrmals infizieren kann, während andere Fische nach erstmaliger Infizierung sofort resistent werden und nicht mehr zu infizieren sind. Da die Elritze in der Weil nicht mehr vor kam, haben wir also gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen und auch die Elritze wieder eingebürgert. Damit ist auch eine neue Nahrungsgrundlage für die z.B. Forellen und Äschen entstanden.

6. Die Nase hatten wir schon vor 20 Jahren in der Lahn wieder eingebürgert.
Heute ist in der gesamten Lahn ein guter Bestand vorhanden. Diese leisten einen guten Beitrag für den Gewässer-schutz: Als sog. Weidegänger schaben sie massenhaft Algen von Steinen etc. ab, fressen und re-duzieren diese und fördern erheblich die Wasserqualität unserer eutrophen Gewässer.

7. Wiederansiedlung der Quappe/Rutte
In den letzten 6 Jahren haben wir 4 Mal Besatz mit Rutten (Quappen) im Ahrbach unterhalb der Ahrtalsperre und zuletzt auch in der Lahn bei Marburg getätigt. Eine fast sensationelle Meldung be-kamen wir von zwei Anglern – Vater und Sohn – bei Runkel-Dehrn. Einer von ihnen fing einen ihm nicht bekannten Fisch von 50 Zentimetern Länge auf Wurm. Da sie ihn vom Ansehen her nicht kannten, setzten sie den Fisch unverletzt zurück und fuhren sofort nach Hause, um in einem Fach-buch nachzusehen, um welchen Fisch es sich gehandelt haben könnte. Da der Fisch eine markan-te Farbe hatte und schön gezeichnet war, konnten sie ihn bestimmen: Es war eine Rutte oder auch Quappe genannt, die bis nach dem 2. Weltkrieg nach zahlreich in der Lahn vorkam. Voller Stolz riefen sie sofort bei mir an und meldeten den tollen und einmaligen Fang.
Wir hoffen sehr, dass das nicht ein einmaliger Fang bleibt und diese Fische nun in Zukunft öfter an die Haken gehen. Wenn Sie einen solchen Fisch fangen, ist es klar, dass Sie einen solchen Fang sofort bei der IG-LAHN unter 06482/4994 0der 0176 551 592 46 melden. Jeder hat ja ein Mobiltele-fon dabei und kann auch damit ein Foto machen. Wir sind gespannt!

8. Weitere Neuankömmlinge an der Lahn:
Nicht nur der Wolf ist heute schon zunehmend in Hessen unterwegs, nein – auch im Wasser sind ehemals heimische Arten sind mittlerweile da! Während schon vor 4 Jahren (2016) bei Wetzlar die ersten gefällten Weiden von einem Biber gefällt wurde, hat aktuell unser Mitglied Sebastian Bartels Anfang Dezember 2019 an dem bei Löhnberg/Selters neu angelegten Altarm ebenfalls von einem Biber umgelegte Weiden vorgefunden. Eine ganze Menge von noch jungen Weiden waren abge-nagt worden und gefällt. Wir gehen davon aus, dass dies ein zweiter Biber an der Lahn war. Auch diese Neulinge an der Lahn werden wir weiter beobachten. Wenn Sie einen Biber beobachten oder frisch gefällte Weiden oder Erlen vorfinden, dann machen Sie ein Foto und melden uns ihr Erlebnis.
Nutrias – diese waren zwar hier in Deutschland nicht heimisch – sind aber aus Südamerika, wahr-scheinlich durch Pelztier-Züchter zu uns gekommen. Schon in den frühen 60.er Jahren waren sie in Runkel und Villmar an der Lahn in ansehnlichen Stückzahlen. Dann waren sie nicht mehr da oder sehr selten. Heute sind viele da. Sie sind zwar nicht heimisch – sogenannte „Neozoon“ – und sind nicht nur schön anzusehen, sondern sie graben meistens in Steilufer ihre Röhren. Bei Hochwasser strömt das Wasser durch die ansehnlichen Röhren und Baue und reißt ganze Uferteile samt Stein-schüttungen weg. Ich nenne sie deswegen „Die Renaturierer“ Zwischen Aumenau und Arfurt haben sie mindestens schon 150 Meter Steilufer in flache Lahnufer verwandelt, die eine sehr hohe Wertig-keit für die Ökologie der Lahn und für am Ufer lebende Tierarten (wie Reptilien und Amphibien) haben. Auch wenn sie nicht heimisch sind, sind sie doch herrlich anzusehen und wie beschrieben für den Natur– und Gewässerschutz sehr wertvoll. Auch die Jäger sollten uns unterstützen und diese schönen und harmlosen Tiere nicht bejagen!

Termine – Auswahl:
Im Jahre 2019 waren auch wieder viele Termine zu absolvieren:
6 Termine LiLa – Lahn Veranstaltungen in Koblenz und Limburg
8 Sitzungen Präsidium und Messe Alsfeld u. JHV Verband Hessischer Fischer e.V.
21.02.: Erörterungstermin WKA Steinmühle (MR) bei RPGi
07.03.: Beirat Wasserrahmenrichtlinie, HMUKLV Wiesbaden
21.03.: Umweltministerium Mainz: Mainzer Arbeitstage, 6. Gewässer- Dialog
23.03.: JHV, SAV-Limburg
11.04.: Jahresgespräch mit Regierungspräsident Dr. Ulrich, Gießen
12.04.: Lahnsteiner Gespräche in Lahnstein
28.04. JHV-Lachsverein, Hasper-Talsperre, Ennepetal
29./30.04 u. 01.05. Bundesarbeitskreis Wasser, Tagung in Runkel (3-tägig)
01.05.:Tierpark Weilburg, Vorstellung Fisch d. Jahres 2019: Der Lachs
21. u. 22.05. Aalbesatz Lahn Rheinland-Pfalz u. Hessen
04.06.: Bundes-Umweltministerium in Bonn wegen. Tierschutz in Wasserkraftanlagen
06.06.: Sitzung Gemeinnützige Fortbildungs-Gesellschaft für Wasserwirtschaft u. Kulturbau (Wi)
22.06. Hasper-Talsperre, Junglachse abgeholt nach Aumenau
06.07.: JHV IG-LAHN in Aumenau
14.07.: Aßlar, Fischerfest, Vortrag
17.08.: Fischerfest FSV-Oberlahn Weilburg
20.08.: Elz, Maßnahme WRRL am Elbbach und Erbach
07.09.: Fischerfest Limburg
19.09.: Aumenau, Schule Weilmünster, Vortrag Lachs, Vorstellung Hälter- und Bruthaus/Aufzucht
09.10.: Lachsbesatz Weil
22.10.: GfG- Tagung Selters
24.10.. Beirat-Sitzung WRRL, HMUKLV Wiesbaden
30.10.: Lachsbesatz Weil mit Schulen Weilmünster u. Weilburg mit Regierungspräs. Dr. Ulrich
05.11.: Sitzung Landesfischereibeirat in Fritzlar
16.11.: DAFV-Jugendleiter-Lehrgang in Gi, Führung im Lahnfenster
28.11.: Wiesbaden, HMUKLV, Sitzung GfG-Beirat
05.12.: Gespräch (5 Stunden) mit Prof. Martin Pusch vom IGB-Berlin in Runkel zu LiLa Lahn
11.12.: Miltenberg, Uniper-Tagung „Wasserkraft im Dialog“

Darüber hinaus waren viele weitere Sitzungen wie Vorstandssitzungen, Fischbesatz, Naturschutz-beirat, AG der nach § 60 anerkannten Naturschutzverbände und sehr viele Besuche in unserer Lachsstation in Aumenau und sehr viele weitere mehr zu besuchen.

Wir man erkennen kann, ist das ein riesiges Pensum an Veranstaltungen und Verpflichtungen, die sehr zeitaufwendig sind. Der Vorteil dieses Aufwandes ist, dass man zu allen Themen im Zusam-menhang mit unseren Gewässern, deren Ökologie und den vielen erheblichen Problemen immer aus erster Hand informiert ist. Daneben ist noch jede Menge Schrift- und E-Mail-Verkehr zu leisten, so dass in jedem Jahr allein durch die hier aufgeführten Punkte mehrere Tausend Stunden zu-sammen kommen, ohne die vielen Stunden, die man bei den Fahrten im PKW verbracht hat.

Ich nehme prinzipiell nie an einer Tagung oder sonstigen Veranstaltungen als passiver Teilnehmer oder Zuhörer teil. Sehr oft ist man sogar als einziger Vertreter der Gegenseite anwesend und hat damit immer automatisch diesen Part aktiv und gegen andere Interessen zu vertreten! Jahrelange intensive Erfahrungen sind hier immer von größtem Vorteil und unglaublich wertvoll!

Ich lade Sie – insbesondere die Vorstände der Mitgliedsvereine der IG-LAHN und Lachswarte und interessierte Mitglieder aus Ihren Vereinen – heute schon ein für unsere Jahreshauptversammlung, die vor den Sommerferien wieder in Aumenau stattfinden wird, sehr herzlich ein.
Ich würde mich sehr freuen, wenn viele teilnehmen und über unsere Arbeit an der Lahn informiert würden. Ohne Ihre Mithilfe und aktive Unterstützung in allen Teilbereichen der Lahn wäre die ganze Arbeit überhaupt nicht zu leisten!

Andererseits jedoch wären wir auch sehr an Informationen aus allen Lahnbereichen interessiert, denn auch an der Lahn gibt es immer Neuigkeiten oder auch aktuelle Maßnahmen am Ufer oder am Gewässerlauf, oder Eingriffe und Schadensfälle, die wir wissen sollten.

Was wir aktuell suchen, ist z.B. ein Foto über Geschiebe – Verlagerungen, wo ganze Wehre unter dem Geschiebe verschwunden waren. Ich kann mich erinnern, dass in oberen Verlauf oberhalb Marburg, Wehre mit Geschiebe überlagert waren, die mit Baggern frei gebaggert wurden. Das Problem dabei ist, dass in der gesamten unteren lahn dieses wertvolle Geschiebe fehlt. Wer solche Fotos oder ähnliche hat, sollte diese uns unbedingt zur Verfügung stellen.

Eine letzte Information noch, ist zum Beispiel die Schaffung einer sogenannten „Zeiteninsel“ (Muse-um) in Argenstein bei Marburg. Dort hatten sich nach der Eiszeit vor vielleicht 12.000 Jahren erste Menschen im Lahngebiet angesiedelt und als Wildbeuter und Sammler gelebt. Was haben sie dort wohl gefangen oder gejagt mit ihren primitiven Werkzeugen oder Waffen? Die Lahn war damals durchgängig und ein frei fließenden Fluss, sodass darin die Lachse jährlich massenhaft aufgestie-gen sind und dort oben – zum Beispiel im dem heutigen Bad Laasphe – vermehrt haben. Laasphe ist abgeleitet von dem althochdeutschen Wort „Lassafa“ was neu hochdeutsch „Lachswasser“ heißt. Den Lachsbach, in dem sich die Lachse damals vermehrt haben, den gibt es in Bad Laasphe heute noch unter gleichem Namen. Wir haben und schon mit den Planern in Verbindung gesetzt und ha-ben angeboten, den Lachs, von dem die ersten Menschen mit Sicherheit lebten, mit Text und Bil-dern hier eizubringen. Es gibt bestimmt auch Personen im oberen Lahnbereich, die auch etwas da-zu beitragen könnten! Bitte melden!

Wir danken allen Behörden und Institutionen, unseren Mitarbeitern und allen die für uns arbeiten und gearbeitet haben und hoffen, dass dies so bleiben möge.
Soweit die Informationen in diesem Rundschreiben!

Da das Jahr wieder einmal zu Ende geht und Weihnachten kurz vor der Tür steht,

wünschen wir Ihnen und Ihren Angehörigen ein Frohes und Friedliches Weihnachtsfest
und für das Neue Jahr
alles Gute, viel Glück und Erfolg!

Ihre IG-LAHN e.V.                           

Der Vorstand der IG-LAHN e.V.

Winfried Klein

(Vorsitzender)